Anna Luz de Léon – Die “Berlin-Mitte-Mom” im Interview

Als meine Kinder noch sehr klein waren, habe ich sehr viele Mummy-Blogs gelesen. Das Leben mit Kind war so anders und völlig neu. Ich empfand es als sehr beruhigend, aber auch wahnsinnig spannend, über andere Mütter und deren Erfahrungen und Umgang  mit ihren Kindern zu lesen. Mit dem heranwachsen meiner beiden Kids, inzwischen ist mein Sohn sechs und meine Tochter drei, wurden es immer weniger Blogs. Nur einer ist geblieben, “Berlinmittemom” von Anna Luz de Léon, ihn lese ich immer noch ganz regelmäßig. Sie schreibt mit so viel Humor über die Glücksmomente, aber auch Tücken und Herausforderungen des Familienlebens, dass ich nicht selten laut lachend vor meinem Mac sitze oder mich dabei ertappe, ständig zu nicken: ” Jaja, das kenne ich genau so!” Höchste Zeit also, der wunderbaren Autorin und Mutter Anna Luz de Léon, ein paar Fragen zu stellen:

Ich lese Deinen Blog so gerne, weil Du mit so viel Feingefühl und einer unfassbaren Offenheit über Dich und Euer Familienleben schreibst. Wie gehen Deine drei Kinder damit um? Lesen sie überhaupt Deine Posts? Und würden sie manchmal gerne Fotos oder Zeilen zensieren? Wie ist es für Dich selbst? Wie gehst Du damit um, Dein Inneres vor anderen nach außen zu kehren? Dein Mann taucht verhältnismäßig wenig auf? Gibt es einen Grund?

Mein Blog “Berlinmittemom” ist ein wichtiger Teil von mir, deshalb ist es mir persönlich auch ein Anliegen, dort tatsächlich echt zu sein, ICH zu sein, mich nicht zu verstellen. Vielleicht ist es das, was diese Offenheit vermittelt. Das wäre toll, denn dann hätte ich es geschafft, eine Seite von mir ganz unverstellt zu zeigen, die mir viel bedeutet: Mein Mutter-sein. Für mich selbst ist es kein Problem, diesen Aspekt meiner Persönlichkeit so offen zu legen. Dass ich diesbezüglich so offen bin, heißt allerdings nicht automatisch, dass ich auch alles andere verblogge, was ich erlebe oder dass alle Menschen, mit denen ich eng verbunden bin, notwendigerweise im Blog vorkommen. Die Beziehung zu meinem Mann zum Beispiel, ist weitgehend tabu. Nicht, weil er ein Problem damit hätte, dass er dort vorkommt, sondern viel eher, weil es mir zu privat ist, darüber zu schreiben. Was meine Kinder angeht, stelle ich zunehmend fest, dass es viel mit deren Alter zu tun hat, wieviel ich aus ihrem Leben und meinem Alltag mit ihnen verbloggen möchte. Meine große Tochter ist inzwischen in einem Alter, in dem ihr viele Aspekte zu persönlich sind. Natürlich nehme ich darauf Rücksicht. Ich würde nie etwas verbloggen, was ihr unangenehm oder einfach zu privat ist. Das gilt auch für die beiden Kleinen: Obwohl sie noch zu jung sind, um zu begreifen, was der Blog wirklich ist oder wieviele Menschen via Berlinmittemom an unseren Alltagsanekdoten tatsächlich teilhaben, achte ich darauf, nichts kompromittierendes zu verbloggen. Es gibt ganz klare Tabuzonen in Text und Bild, die ich nicht verletze. Die Würde meiner Kinder ist dabei nur ein Aspekt dessen, was ich unbedingt unangetastet lasse.

Mich faszinieren die kunstvollen Bento Boxen, die Du jeden Tag für Deine Kinder als Pausenbrot zubereitest? Wie schaffst Du das morgens? Ist die Zubereitung nicht wahnsinnig zeitaufwendig? Du hast mich total neugierig gemacht mit Deinen tollen Bentos und ich möchte das unbedingt auch ausprobieren! Hast Du Vorschläge für inspirierende Online -Seiten? Oder andere essentielle Tipps für absolute Anfänger ? Was benötigt man? Wie startet man am Besten?

Die Bentoboxen mache ich noch gar nicht so lange, aber als es mich einmal gepackt hatte, war ich geliefert. Ich nenne es das „Spielen mit dem Essen“ und ich kann nicht mehr damit aufhören. Es macht mir einfach Spass, die Brotdosen meiner Kinder so zu pimpen und auf spielerische Weise dafür zu sorgen, dass meine Kinder alle wichtigen Zutaten für einen gesunden und sattmachenden Snack, auch noch gerne essen, weil es so hübsch aussieht. Gurken schmecken nämlich wirklich besser, wenn sie in Sternchenform genossen werden können, ich schwöre! Ich schaffe das allerdings nur, weil ich erstens, inzwischen ziemlich routiniert bin, zweitens in der Regel alles gut vorbereitet habe und drittens mein Mann derweil das Frühstück für die Kinder macht. Für Bento-Anfänger empfehle ich zunächst ein paar Experimente mit Plätzchenausstechern. Die meisten Brotsorten lassen sich gut ausstechen und schon hat man statt schnöder Stulle, ein Stern- oder Herzsandwich. Muffinförmchen aus Silikon halten in der Box alles an Ort und Stelle und ein paar bunte Foodpicks, machen aus Trauben und Apfelstückchen einen bunten Obstsalat. Anfangen ist leicht und der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Zur Inspiration empfehle ich meinen Artikel über meine liebsten Bentoblogs (http://berlinmittemom.com/2013/08/18/bento-box-love-meine-liebsten-bento-blogs-und-shops-zur-inspiration/). Das meiste Zubehör beziehe ich selbst über den kleinen aber feinen Onlineshop Bentoshop.de – der einzige, deutsche Onlinehandel für Bentozubehör, den ich kenne.

Ich nenne das Bentoboxen-Styling übrigens auch meine Zen-Übung am Morgen: Es entspannt, mich morgens damit zu befassen, statt die Kinder zum Zähne putzen, Haare kämmen, Schuhe anziehen, zu scheuchen.  Auch darüber habe ich schon geschrieben: Wie mich das Brotdosenstyling vom Morgenmufflon zur Zenmom macht. (http://berlinmittemom.com/2014/05/20/zenmom-vs-morgenmufflon-morgenroutine-mit-kindern-bei-berlinmittemom/)

„Ihr glücklichen Augen, was je ihr gesehen- Brief übers Vermissen!” Dieser Post über Deine verstorbene Mutter, empfand ich als sehr ergreifend, traurig und schön gleichzeitig. Erinnerungen an Deine Mutter, zu der Du eine innige und tiefgründige Verbindung hattest, bzw. noch immer hast. Hat sich die Beziehung zu Deiner Mutter verändert, als Du selbst Mutter geworden bist? Welche Eigenschaften aus Deinem Mutter- Tochter -Verhältnis möchtest Du gerne an Deine Kinder weitergeben? Und klappt das immer ganz gut?

Meine Mutter und ich hatten eine sehr enge Verbindung, die ich heute noch fühle, obwohl sie vor inzwischen, über drei Jahren gestorben ist. Ich glaube, dass sich diese Verbindung in meiner Beziehung zu meinen Kindern widerspiegelt und spüre in ganz vielen, kleinen und großen Dingen meine Mutter in mir: Ich singe mit meinen Kindern dieselben Lieder, lese ihnen dieselben Bücher vor und halte an denselben Familienritualen fest, die mich schon als Kind geprägt haben. Als ich zum ersten Mal Mutter wurde, hatte ich dennoch das starke Bedürfnis, mich darin von meiner Mutter abzugrenzen: Das war MEIN Kind, mein Erleben, meine Herausforderung und meine große Liebe zu meiner neugeborenen Tochter, die ich für einzigartig hielt. Ich wollte zwar den Rat meiner Mutter, wollte sie gerne bei mir haben und ich liebte es, sie als Großmutter meiner Tochter zu erleben. Aber ich musste meine eigenen Erfahrungen machen und grenzte mich in vielen Bereichen ganz klar von ihr ab. Sie war zum Glück klug und liebevoll genug, sich davon nicht verletzt zu fühlen und sehr bald spürte ich die Übereinstimmungen zwischen uns wieder stärker, als die Unterschiede und konnte vieles an ihr besser verstehen, als zuvor. Noch heute denke ich in vielen Situationen an sie und wünschte mir, ich könnte sie noch mal fragen: „Wie war das damals mit mir? Und was hast du in dieser Situation gemacht?“ Meine Mutter war eine leidenschaftliche Mutter, darin sind wir uns sicher sehr ähnlich. Ich war mir als Kind immer sicher, dass ich geliebt werde und sie immer für mich da sein würde und das ist es auch, was ich an meine Kinder weitergeben möchte: Die Gewissheit, dass sie bedingungslos geliebt werden, egal, was sie tun.

Unser Online-Magazin entstand aus der Idee heraus, dass wir Tipps, die wir sonst nur unserer besten Freundin verraten, für viele Frauen zugänglich machen. Hast du eine „beste Freundin“, mit welcher ein regelmäßiger Austausch stattfindet? Oder gibt es für die verschiedenen Lebensbereiche auch verschiedene Freundinnen? Wir beschäftigen uns vor allem mit Mode & Beautythemen. Du bist ein Online-Shopping Fan. Hast Du einen „beste- Freundin- Tipp“ für uns. Welche Seiten magst Du gerne? Was möchtest Du Dir in nächster Zeit unbedingt mal leisten? Gibt es einen Wunsch für die anstehende Herbst/Winter Saison? Wie sieht Dein perfektes Lieblingsoutfit aus? Hast Du eine Lieblingsmodemarke? Ein Beautyprodukt, auf welches Du nicht verzichten möchtest ?

Ich habe tatsächlich mehrere enge Freundinnen, mit denen mir der Kontakt und der Austausch sehr wichtig ist. Dabei gibt es natürlich Unterschiede: Manche sind so was wie meine „Mama-Freundinnen“ und wir teilen viele Bereiche, in denen unsere Kinder mit eingebunden sind. Andere sind die, mit denen ich am liebsten shoppen, ins Spa oder zum Essen gehe und dann gibt es natürlich noch die lang vertrauten Freundinnen aus Kindertagen und Studienzeiten, die so gut wie alles von mir wissen und für alle meine Freundinnen gilt: Freundinnentipps sind die besten Tipps.

Was Mode und Styling angeht, bin ich persönlich wenig experimentierfreudig, sondern eher so der klassische Typ, deshalb ist mein Lieblingsoutfit sicher seit Jahren in etwa gleich: Schmale Lieblingsjeans, Chiffonbluse, gerne mit einem schönen Detail, wie Schleife oder Spitze, klassischer Blazer oder Trenchcoat, ein Lieblingsschal und je nach Wetter Ballerinas oder Stiefel. Ich trage grundsätzlich viel schwarz, mag aber auch kräftige Farbakzente, zum Beispiel in pink oder türkis.

Was Labels angeht, bin ich bei Klamotten überhaupt nicht festgelegt. Bei Taschen, Accessoires und Kosmetikprodukten sieht das wieder anders aus. Ich liebe beispielsweise die Pflegeprodukte von Clinique und gerate ins Schwärmen, wenn es um den sündhaft teuren Lidschatten von Dior geht und wenn wir schon bei sündhaft teuer sind: Mein Berliner Lieblingslabel ist Lala Berlin. Es gibt keine herrlicheren Schals und Tücher – und bei Schals und Tüchern habe ich meinen wahrscheinlich einzigen modischen Tick. Das wäre wahrscheinlich auch mein Herbstwunsch: Ein kuscheliges Dreieckstuch aus der neuen Lala-Kollektion. Aber das wird wohl ein Wunsch bleiben.

Vielen Dank Anna! Mehr auf berlinmittemom.com

Julia Weller

 

Fotos: berlinmittemom.com

 

 

 

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